„Todesursachen. Gefühlte Gefahr."
Ein Beitrag von Jochen Paulus in: GEO WISSEN Nr. 37 (2006), S. 155 – 157
"Über die Häufigkeit von Unfällen und Sexualmorden machen sich Eltern falsche Vorstellungen. Den größten Risiken sind Kinder ohnehin im ersten Lebensjahr ausgesetzt – durch angeborene Fehlbildungen und den plötzlichen Kindstod
... Eine besonders heimtückische Bedrohung ist der „plötzliche Kindstod“, der Babys vor allem zwischen dem zweiten und fünften Lebensmonat ereilt. Wie die auffälligen Unterschiede von Bundesland zu Bundesland zeigen, lässt sich das Problem offenbar durch gezielte Vorsorge eindämmen. So wachen in Baden-Württemberg, Bayern oder Sachsen von 10.000 Neugeborenen zwei bis drei eines Tages nicht mehr aus dem Schlaf auf, in Nordrhein-Westfalen sind es dagegen acht. Obwohl noch ungeklärt ist, was genau zum plötzlichen Kindstod führt, hat die Aufklärung über Risikofaktoren die Mortalität gesenkt.
In Sachsen hat die Initiative „Gesunder Babyschlaf“ den Eltern die drei „R-Regeln“ erfolgreich nahe gebracht: „Rückenlage – Richtiges Babybett – Rauchfrei“. Als die Entbindungskliniken im Regierungsbezirk Dresden 1994 mit ihrer Informationskampagne begannen, ging prompt die Zahl der Kindstod-Fälle zurück. In Leipzig und Chemnitz blieb sie dagegen zunächst unverändert hoch und sank erst, als die Prävention auch dort übernommen wurde.
Schwangerschafts- und Geburtsprobleme, angeborene Fehlbildungen sowie der plötzliche Kindstod sind für rund die Hälfte aller Sterbefälle vor dem 20. Lebensjahr verantwortlich; im Jahr 2004 galt das für 3029 der insgesamt 6079 Verstorbenen.“
P.S. Ein Bericht über das erwähnte Programm zur Prävention des plötzlichen Kindstodes in Sachsen ist hier zu finden. Das aktuelle sächsische Informationsblatt für Eltern kann kostenlos über post@babyschlaf.de oder Tel. 0351.458 2677 angefordert werden. Eine Liste weiterer Informationsblätter zur Prävention des plötzlichen Säuglingstodes aus anderen Bundesländern befindet sich hier.
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