Dürfen Babys schon eine Möhre knabbern und ab und zu mal auf dem Bauch schlummern ?
DNN Dez. 2005
Guter Rat vom Kinderarzt
Dürfen Babys schon eine Möhre knabbern und ab und zu mal auf dem Bauch schlummern ?
Diese beiden Fragen werden immer wieder gestellt. Deshalb soll an dieser Stelle nochmals darauf eingegangen werden, da insbesondere in der Nikolaus-, Advents- und Weihnachtszeit jeder gut darüber Bescheid wissen sollte, der mit Babys und Kleinkindern Kontakt hat.
Kinder dürfen in den ersten fünf Lebensjahren keine Nüsse, keine Nuss-Schokolade und auch keine rohe Möhre zum Knabbern bekommen, da es in diesem Alter durch Nüsse, abgeknabberte rohe Möhrenstückchen oder kleine Spielzeugteile relativ oft zu „Aspirationen“ kommt. Nahrungsmittel gelangen in die Luftröhre und von dort in die Bronchien. Beim Hochhusten des Fremdkörpers kann es durch die reiche Nervenversorgung der Luftröhre und der Stimmritze im Kehlkopf reflektorisch zu lebensbedrohlichen Situationen kommen. Plötzlicher heftiger Hustenreiz bei der Nahrungsaufnahme kann auf eine derartige Aspiration hinweisen. Dabei handelt es sich immer um eine Notfallsituation, bei der ein Arzt konsultiert werden sollte. Fremdkörper in den Atemwegen können bei Kindern nur unter stationären Bedingungen unter Vollnarkose entfernt werden. Die gute alte Regel, dass am Tisch mit vollem Mund nicht gesprochen werden sollte, ist demnach auch aus kinderärztlicher Sicht sehr zu begrüßen.
Der Hinweis ist nicht übertrieben, da die meisten derartigen Fremdkörper zwischen dem 1.-4. (5.) Lebensjahr beobachtet werden. Sprechen Sie das Thema deshalb bitte in Ihrer Verwandtschaft, im Kindergarten oder bei der Tagesmutter an.
Auf dem Bauch schlafen Babys oft sehr tief, leider wachen Jahr für Jahr einige Babys aus dieser Schlafposition nicht wieder auf. Dies passiert nachts oder während der Mittagsruhe, im Babybett, in der Wiege, im Spielgitter, auf dem Sofa und auch bei der Spazierfahrt im Kinderwagen. Otto Dix hat um 1949 mehrfach schlafende Säuglinge gemalt – die immer friedlich in Rückenlage schlummerten. Die unheilvolle „Bauchlagekatastrophe“ setzte erst in den 60er bis 70er Jahren ein. Aus Dresden kamen schon 1972 Warnungen, diesem tragischen Traditionsbruch im Pflegeverhalten nicht zu folgen. Heute gibt es auf der Grundlage zahlreicher Untersuchungen weltweit keine Zweifel mehr an der Empfehlung, dass Babys am sichersten in Rückenlage, im Schlafsack und ohne zusätzliche Decke schlafen, um das Überdecken von Mund und Nase zu vermeiden. Im Wachzustand ist es dagegen sehr gut, den fröhlichen Erkundungsdrang Ihres Babys nicht zu bremsen und in Bauchlage die Muskulatur zu kräftigen.
Prof. Dr. med. Ekkehart Paditz, Dresden
Vorsitzender Babyhilfe Deutschland e.V.
www.babyschlaf.de
Beratungstelefon 0180.5099555 (12 Ct./Min.)
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