Geht es neuerdings auch ohne Windeln?
Diese Frage wird neuerdings immer wieder einmal gestellt. Babys würden von Geburt an Signale senden, wenn sich der Harn- oder Stuhldrang andeutet, so dass man nur richtig aufpassen müsste, um den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Folglich würde man auch keine Windeln benötigen. Windeln seien ein neumodischer Trend.
Dass das Kind in der Krippe auch schon in Windeln gewickelt gefunden worden sein soll, wird dabei nicht erwähnt. Die Argumentation mit modischen und völkerkundlichen Argumenten scheint demzufolge nicht vollständig zu klappen.
Wichtig ist ja, dass Kinder lernen, mit ihren Ausscheidungen umzugehen, doch die Wege und Ziele sind zum Gegenstand der Diskussion und der Fragen geworden. Von einer Enuresis wird heute nicht vor dem 5. Lebensjahr gesprochen, da die Reifung und Entwicklung der erforderlichen Nerven von der Blase bis zum Gehirn bei manchen Kindern erst in diesem Alter abgeschlossen ist. Wenn die elektrischen Kabel (die Nervenstränge) und die Schalter (die Synapsen und Verzweigungen) noch nicht vollständig ausgereift sind, kurz: wenn die Struktur noch nicht vollkommen vorhanden ist, kann die Funktion noch nicht vollständig klappen. Klar ist, dass die erzieherischen positiven und auch negativen Rückmeldungen dazu beitragen, dass Lerneffekte eintreten und das ist auch gut so. Doch bei manchen Kindern klappt es einfach noch nicht eher. Bzgl. der Kontrolle des Schließmuskels des Enddarmes wird davon ausgegangen, dass die Ausreifung und das erforderliche Training etwa im 2. Lebensjahr abgeschlossen sind, so dass die Kinder dann selbst die Kontrolle übernehmen können.
Prof. Dr. med. habil. Ekkehart Paditz
Vorsitzender Babyhilfe Deutschland e.V.
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